Wahrnehmung

 

So sehen Pferde

Ein Pferd kann fast rundum sehen, lediglich direkt hinter ihm befindet sich ein Toter Winkel. Die Augen sitzen seitlich, so daß ein jedes ein anderes Bild aufnimmt. Nur wenn das Pferd geradeaus nach vorne sieht, wird die Information mit beiden Augen aufgenommen.
Nur in diesem kleinen Bereich ist das Pferd dann in der Lage Dinge räumlich wahrzunehmen.

Somit ist es nicht verwunderlich das ein Pferd, um sich sicher zu fühlen, genügend Kopffreiheit haben muß. Wird das Pferd beim Reiten zu sehr eingeengt kommt es nicht selten vor das es nur sehr widerwillig seine Arbeit verrichtet .


Sichtfeld Die nebenstehende Abbildung zeigt das Sichtfeld.
Rechtes und linkes Auge nehmen unterschiedliche Bilder auf. Nur der kleine V-förmige Bereich vor dem Kopf wird mit beiden Augen erfaßt. Der weiße V-förmige Bereich im unteren Teil ist der Tote Winkel. Also ist es nicht verwunderlich das es kaum gelingen kann, sich einem Pferd unbemerkt zu nähern.
Das erkennbare Farbspektrum des Pferdes ist wesentlich geringer als das von uns Menschen. Farbspektrum
 
Wußtest Du eigentlich, dass Lanthana auf dem linken Auge blind ist. Sie sieht also nur die Hälfte und ist deshalb ganz besonders auf die anderen Wahrnehmungen und auf eine vertrauensvolle Leitperson angewiesen.
 
 

Der Geruchsinn

Ein Vergleich des Geruchsinnes des Pferdes mit jenem des Menschen ist kaum möglich, da die menschliche Unterlegenheit bei diesem Sinn am ausgeprägtesten ist. Kingsley sagt dazu: "Pferde denken mit der Nase". Das Pferd gilt allgemein als "Nasentier", der Mensch hingegen zählt zu den "Augentieren". Es wäre also am sinnvollsten den ausgeprägten Geruchsinn des Pferdes mit dem Sehsinn des Menschen zu vergleichen, da wir unser Umfeld zur Hauptsache mit dem Auge wahrnehmen, das Pferd jedoch zur Identifikation der Umgebung den Geruchsinn verwendet.
Sein Riechorgan weist auch anatomisch eine hohe Entwicklung auf. Die Nüstern sind verhältnismäßig groß und sind im Innern stark gewunden, was eine größere Oberfläche zur Folge hat, die eine bessere Geruchsempfindlichkeit erzeugt.
Anatomisch ist auch die Eigenheit des "Flehmens" zu erwähnen. Diesem Mechanismus liegt das Jacobsonsche Organ zu Grund, das im hinteren Teil des Gaumens, am Gaumendach zu finden ist. Um einen Duftstoff dorthin zu transportieren, zieht das Pferd intensiv Luft ein, streckt den Hals nach vorne aufwärts, stülpt die Oberlippe nach oben und verschließt dadurch gleichzeitig die Nüstern. Alle Pferde zeigen dieses Flehmen um fremde, neuartige oder auch unidentifizierbare Gerüche zu analysieren, im Besonderen ist dies aber eine Eigenheit des Hengstes, wenn er Pheromone, die chemischen Botenstoffe einer paarungsbereiten Stute identifizieren will. Auch im alltäglichen Leben ist das Flehmen bei Hengsten mehr zu beobachten, als bei Stuten oder Wallachen, was geschlechtsbedingt auf eine genauere Wahrnehmung ihrer Umgebung zurückzuführen ist.
 
Obwohl die Sinnesorgane des Pferdes bis zum jetzigen Niveau entwickelt sind, ist das Pferd dennoch nicht in der Lage sich vollumfänglich gegen Vergiftungen, hervorgerufen durch die Aufnahme giftiger Pflanzen, zu schützen. Sie vergiften sich an Oleandersträuchen, Marihuana oder auch an, in unseren Breitengraden häufig auffindbaren Thuja, meiden jedoch viele Beeren oder aber auch Mohn. Sei dieses Wissen durch genetische Prädispositionen angeboren, oder ist es dem Tier möglich die Giftstoffe organoleptisch wahrzunehmen, oder seien sie sogar durch einmaliges Kosten mit darauffolgenden leichten, für den Menschen unbemerkten Ergiftungserscheinungen erlernt, sei dahingestellt. Wiederholt eine Eigenheit des Pferdes, die dem Menschen bis dahin unbekannt ist.
 

 

Der Gehörsinn

Die Panoramasicht des Pferdes wird mit dem Rundumgehör ergänzt. Das Pferd ist in der Lage seine Ohren, genauer seine Ohrmuscheln, nach vorne, zur Seite und nach hinten zu richten. Darüber hinaus ist es ihm möglich, mit der rechten oder linken Ohrmuschel verschiedene, ja diametral entgegengesetzte Positionen wahrzunehmen.

Während zum Beispiel das linke Ohr Geräusche, die von vorne kommen entgegennimmt, kann das rechte Ohr jene von hinten registrieren. Diese Fähigkeit ist allen Tiergattungen eigen, die von Raubtieren verfolgt werden. Jede Ohrmuschel wird durch 16 verschiedene Muskeln bewegt und kann um 180° gedreht werden. So ist das Pferd in der Lage seine Umgebung ständig unter Kontrolle zu halten.

Das Gehör und die Interpretation dessen, was es hört, sind für das Sicherheitsgefühl des Fluchttieres unerlässlich, jegliche Beeinträchtigung des Gehörganges können beim Pferd zu starken Störungen und zu gesteigerten Angstgefühlen führen, weil die Umgebung nicht mehr im ursprünglichen Ausmaße registriert werden kann.

Das Hörvermögen des Pferdes liegt weitaus über dem des Menschen. Ein menschliches Ohr nimmt Töne von 20 bis 20 000 Hertz wahr. Das Spektrum des Pferdes ist breiter, Töne von 25 000 Hertz sind problemlos wahrnehmbar.

Wie fein das Gehör sein muss, erklären Budelmann und Kathmann in ihrem Buch durch die Sensibilität des Pferdes gegenüber Erdbeben. Bereits vor dem Beben wird bei Pferden oft gesteigerte Unruhe wahrgenommen was darauf hinweist, dass diese Tiere in der Lage sind, niederfrequente geophysikalische Schwingungen wahrzunehmen.

Ein ähnliches Phänomen steht zur Diskussion: Warum finden Pferde auch in fremder Umgebung und absoluter Dunkelheit allein nach Hause? Diese Tatsache wird des öfteren beschrieben, die genaue Ursache, das heißt der genaue Funktionsmechanismus ist nicht bekannt. Ainslie und Ledbetter zitieren in ihrem Buch den erfolgreichen Züchter Federico Tesio, der über einen weiteren Sinn beim Pferd spekuliert, der es ihm möglich macht, elektrische oder andere Strahlungen von unbelebten Gegenständen über große Entfernungen empfangen zu können. Die Beteiligung der Ohren an diesem Phänomen streitet Tesio nicht ab, erwartet diese aber nicht in der gewohnten Weise. Solange die herausragenden Fähigkeiten der Pferde jedoch nicht wissenschaftlich untersucht werden, bleibt die Theorie über einen sechsten Sinn eben Theorie.





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